Hinweis zur Aufgabenstellung
In der zweiten Nebenbedingung steht am Ende offenbar versehentlich −2y2. Da der Term in der y4-Spalte steht, ist sehr wahrscheinlich
−y1−y2−y3−2y4≥−3
gemeint. Zunächst wird diese beabsichtigte Variante gelöst. Die wörtliche Variante mit −2y2 wird am Ende angegeben.
1. Umformung in ein Maximierungsproblem
Durch Multiplikation der Zielfunktion und der Nebenbedingungen mit −1 erhält man das äquivalente Problem
maxsodass10y1+6y2+12y3+8y42y1+y2+3y3+y4≤4,y1+y2+y3+2y4≤3,y1,y2,y3,y4≥0.
Der optimale Wert des ursprünglichen Minimierungsproblems ist das Negative des optimalen Werts dieses Maximierungsproblems.
2. Das Dualproblem
Zu jeder der beiden Nebenbedingungen gehört eine Dualvariable x1 beziehungsweise x2. Das Dualproblem lautet
minsodass4x1+3x22x1+x2≥10,x1+x2≥6,3x1+x2≥12,x1+2x2≥8,x1,x2≥0.
Die zulässige Menge liegt jeweils oberhalb der dargestellten Geraden.
Graphische Lösung des Dualproblems
Die relevanten Randpunkte und Zielfunktionswerte sind
(x1,x2)(0,12)(2,6)(4,2)(8,0)4x1+3x236262232
Somit ist die optimale Duallösung
x∗=(4,2)
mit optimalem Wert
4x1∗+3x2∗=22.
3. Anwendung des komplementären Schlupfs
Da
x1∗=4>0,x2∗=2>0,
müssen beide primalen Nebenbedingungen aktiv sein:
2y1+y2+3y3+y4y1+y2+y3+2y4=4,=3.
Nun betrachten wir die Schlupfvariablen der dualen Nebenbedingungen:
2x1∗+x2∗−10x1∗+x2∗−63x1∗+x2∗−12x1∗+2x2∗−8=0,=0,=2,=0.
Die dritte duale Nebenbedingung besitzt positiven Schlupf. Der Satz vom komplementären Schlupf liefert daher
y3∗=0.
Damit bleiben die Gleichungen
2y1+y2+y4y1+y2+2y4=4,=3.
Setzen wir y4=t, so folgt
y1=1+t,y2=2−3t,y3=0.
Aus der Nichtnegativität ergibt sich
0≤t≤32.
Es gibt also nicht nur eine, sondern eine ganze Strecke optimaler Lösungen:
y∗(t)=(1+t,2−3t,0,t),0≤t≤32.
Menge der optimalen Primallösungen in der (y₄,y₂)-Ebene
Beispielsweise kann man die besonders einfache Lösung
y∗=(1,2,0,0)
wählen. Ihr ursprünglicher Zielfunktionswert ist
−10⋅1−6⋅2−12⋅0−8⋅0=−22.
Damit lautet das Ergebnis für die beabsichtigte Aufgabenfassung:
min=−22.
Falls tatsächlich −2y2 gemeint ist
Dann lautet die zweite umgeformte Nebenbedingung
y1+3y2+y3≤3.
Das Dualproblem enthält dann insbesondere die Bedingung
x1≥8.
Seine optimale Lösung ist
x∗=(8,0),4x1∗+3x2∗=32.
Durch komplementären Schlupf folgt
y∗=(0,0,0,4),
und der ursprüngliche minimale Zielfunktionswert wäre in dieser wörtlichen Lesart
min=−32.
Alternative bei wörtlicher Lesart mit −2y₂